Blaudruckerei in Lüdinghausen – Handwerk mit Geschichte
Ein echtes Kleinod im Münsterland: Die Blaudruckerei in der Münsterstraße 51 wird in einem Reiseführer liebevoll als „Kleinod der Blaudruckkunst“ beschrieben. Hier verbindet sich traditionelles Handwerk mit kreativer Leidenschaft. In unserem stilvollen Werkstattladen finden Sie nicht nur wunderschöne textile Einzelstücke, sondern auch individuelle Beratung und maßgefertigte Anfertigungen nach Ihren Wünschen.
Stoffe mit Seele – individuell bedruckt & gefärbt
Ob Gardinen, Tischdecken, Mitteldecken, Läufer, Sets oder Servietten – alle Stoffe werden von mir persönlich bedruckt oder mit Indigo gefärbt. Ich arbeite ausschließlich mit pflanzlichen Fasern wie Leinen, Halbleinen oder Baumwolle. Dabei verwende ich entweder neue, hochwertige Stoffe oder bringe die von Ihnen mitgebrachten „alten Schätze“ zu neuem Leben.
Altes Leinen neu entdecken
Viele Kundinnen und Kunden bringen mir ihre besonderen Erbstücke:
- Überschlaglaken aus der Aussteuer
- Betttücher von früher
- Paradekissen von der Großmutter
- Damasthandtücher oder Gerstenkornleinen
Aus diesen Materialien lassen sich wundervolle neue Decken, Gardinen oder Tischläufer gestalten – jedes Stück ein Unikat mit Geschichte.
So funktioniert’s – Ihr Weg zum Blaudruck-Unikat
Bitte beachten Sie beim Stoff mitbringen:
- Nur waschen, wenn stark verschmutzt
- Tischmaße mitbringen – für passgenaue Anfertigung
- Deko-Vorlage mitbringen – z. B. eine Untertasse Ihres Geschirrs, damit wir gemeinsam das passende Muster wählen können
Mit über 700 traditionellen Mustervorlagen finden wir garantiert ein Dekor, das Ihnen gefällt.
Workshop
Technik
Werdegang
Auszeichnungen
Werkstatt
Die Ursprünge des Blaudrucks führen nach Indien, einem Land, das aufgrund seines Reichtums an Rohstoffen (Baumwolle, Farbstoffe) gute Voraussetzungen für eine Textilproduktion bot. Im 16. Jahrhundert brachten niederländische Seeleute zusammen mit dem Reserveverfahren den Farbstoff „Indigo“ mit nach Europa.
Ein rasanter Aufschwung des Zeugdrucks im 18. Jahrhundert sorgte für eine weite Verbreitung über alle deutschen Lande. Jedes Dorf hatte seinen „Blaufärber“. In den Gegenden, wo Flachs angebaut und Leinen produziert wurde, wie z.B. in Westfalen, entstanden besonders viele Werkstätten.
Die Industrialisierung mit ihren maschinellen Verfahren, verdrängte das Blaudruckhandwerk nach einer Hochblüte im 19. Jahrhundert. Heute gibt es nur noch ganz wenige Meister(innen), die diese Technik beherrschen.
Für die Arbeit benötigt die Blaudruckerin Model, das sind aus Holz und Metall gefertigte Druckstöcke. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Verfahren beim Druck: den Direktdruck und den Reservedruck.
Reservedruck
Hierbei wird statt mit Farbe mit einer farbabweisenden Masse, im Fachjargon Papp genannt, das Leinen bedruckt. Diese muss längere Zeit (ca. 3 Monate) austrocknen. Dann hängt die Blaudruckerin den Stoff in einen Sternreif. Mithilfe eines Flaschenzuges wird der Reif in einen Färbebrunnen, in dem die Küpe (Farbe) ist, eingetaucht, und das Muster bleibt bei der Färbung ausgespart (reserviert).
Während des abschließenden Auswaschens löst sich die Druckmasse wieder ab und das Muster erscheint in der weißen Farbe des Stoffes.
Ich färbe sowohl mit dem alten, originalen Farbstoff Indigo (waschbar mit Feinwaschmitteln bis 40 °C) als auch mit dem chemischen Indanthrenfarbstoff, der absolut koch- und lichtecht ist.
Färben mit Indigo
Beim Färben mit Indigo kann man sein blaues Wunder (-> Video) erleben: Taucht man den mit Papp bedruckten Stoff in das Farbbad und zieht ihn nach ca. 20 Minuten wieder raus, ist der Stoff zunächst gelblich-grün und wird dann langsam blau. Dieser Farbumschwung war für die damaligen Menschen wie ein Wunder. Und so entstand die Redewendung: sein blaues Wunder erleben.
Die Erklärung ist ganz einfach: Indigo muss zunächst reduziert werden, bevor es sich in Wasser auflöst. Man muss dem Farbstoff – mal laienhaft ausgedrückt – ein Sauerstoffteilchen entziehen. Dann verbindet er sich mit Wasser und färbt den Stoff ein, und zwar gelb. An der Luft holt er sich dann das Sauerstoffteilchen zurück. Die Oxidation lässt den Stoff blau werden.
Auf diese Art und Weise haben die Blaudrucker jahrhundertelang produziert. Unter heutigen Anforderungen hat Indigo gewisse Nachteile: Es ist nicht koch- und lichtecht.
Färben mit Indanthren
Deshalb benutze ich für Tischwäsche und Gardinen einen chemischen Farbstoff: Indanthren, der absolut koch- und lichtecht ist.
Workshop
Gerne können Sie unter Anleitung in der Blaudruckerei Lüdinghausen drucken und färben. Wir stellen die Werkstatt zur Verfügung, Sie können alle Model benutzen, wir halten Stoffe für Sie bereit. Das Nähen, Waschen und Mangeln der fertigen Teile übernehmen wir.
Sprechen Sie mit uns, wir verabreden einen Termin
Und der Clou: Dazu können Sie in dem Keramikmalstudio in unserem Hause ein passendes Muster auf ausgewählte Keramik malen. Wir übernehmen das Lasieren und Brennen wieder
Werdegang
Hinter der Blaudruckerei Lüdinghausen steht eine beeindruckende Persönlichkeit: Elke Schlüter-Bender. Mit Leidenschaft, Fachwissen und jahrzehntelanger Erfahrung hat sie sich über die Region hinaus einen Namen gemacht. Ihre Arbeit verbindet Handwerk, Kunst und kulturelles Erbe auf einzigartige Weise.
Ausstellungen & künstlerische Projekte
Elke Schlüter-Bender war mit ihrer Arbeit in zahlreichen bedeutenden Ausstellungen vertreten – regional wie auch international:
- 1980: Galerie Smend, Köln
- 1983: „Blau mit weißen Blumen“ – mit Rose Müllers, Hamaland Museum, Vreden
- 1986: „Kunst der Region“, Schloss Nordkirchen
- 1989 & 1991: Modenschauen in der Steverhalle, Senden
- 1990: Ausstellung bei der Handwerkskammer München
- 1993: „Ein Blaues Wunder – Blaudruck in Europa und Japan“, Deutsch-Japanisches Zentrum Berlin
- 1995: Übernahme der Exponate durch das Deutsche Museum, München
- 2019 Paris: Walking the Indigo Walk
Präsentation von mit Indigo gefärbten Textilien aus aller Welt vor dem UNESCO-Gebäude in Paris
Seit 1995 finden regelmäßig Hausausstellungen in der Blaudruckerei statt. Zudem wurden kleinere Ausstellungen in Ahaus, Münster, Hamm und Greven bestückt.
2019 Walking the Indigo Walk
Präsentation von mit Indigo gefärbten Textilien aus aller Welt vor dem UNESCO-Gebäude in Paris
Ausbildung & Anfänge
- 1975–1980: Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Münster bei Frau Prof. Loose
- 1981: Eröffnung der ersten Blaudruckerei in Nordkirchen
- 1986: Umzug der Werkstatt nach Lüdinghausen
Anerkennung durch die UNESCO
2019 wurde der Blaudruck offiziell von der UNESCO in das Bundesweite Verzeichnis sowie in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen – ein bedeutender Meilenstein für dieses traditionsreiche Handwerk und die Lebensleistung von Elke Schlüter-Bender.
Auszeichnungen
Die jahrhundertealte Kunst des Blaudrucks wurde in den letzten Jahren mehrfach offiziell gewürdigt – ein großer Erfolg für das Handwerk und die Arbeit von Elke Schlüter-Bender in der Blaudruckerei Lüdinghausen.
Weltkulturerbe
- Dezember 2016: Aufnahme als Trägerin in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
- November 2018: Offizieller Eintrag des Blaudrucks in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit durch die UNESCO
Diese Anerkennung würdigt das über Generationen weitergegebene Wissen, die handwerkliche Qualität und die kulturelle Bedeutung der Blaudrucktechnik.
Würdigung auf politischer Ebene
Die herausragende Leistung wurde auch auf regionaler und bundesweiter Ebene gewürdigt:
- Der Bürgermeister von Lüdinghausen gratulierte persönlich
- Bundestagsabgeordneter Marc Henrichmann empfing Elke Schlüter-Bender im Reichstag, um ihr zur UNESCO-Anerkennung zu gratulieren
Feierliche Verleihung in Berlin
Am 4. Juni 2019 fand die feierliche Übergabe der UNESCO-Urkunde im Museum Europäischer Kulturen in Berlin statt. Die Ehrung wurde durch Irmgard Feller vom Auswärtigen Amt vorgenommen.







